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Das Werk Berthold Ottos
Zweimal
Tränen
1897 hält Otto – damals Redakteur
bei Brockhaus – vor Schriftstellern in Leipzig einen
Vortrag zum Thema "Die Schulreform im 20. Jahrhundert".
Dabei macht er das Anliegen, das ihn umtreibt, an einem Vergleich
deutlich.
"Als ich nach
Hause kam“, berichtet Otto seinen Zuhörern,
"erinnerte mich mein Junge an ein Versprechen, das
ich ihm gegeben hatte. Ich sollte ihn die Lautlehre nach der
Uhr aufsagen lassen. Leider musste ich ihn wiederum vertrösten.
Da brach er in Tränen aus. Was konnte ich anderes tun,
als die Uhr zur Hand nehmen und ihn abhören? Was dabei
herauskam, war eine Rekordzeit. Der Junge war glücklich.
… Als ich hier im Vortragssaal ankam,
meinte einer der Herrn: „Gut, dass Sie mal was über
Schulreform sagen wollen; mein Sohn hat den ganzen Abend geweint,
weil er mit seinen Rechenaufgaben nicht fertig wurde und Angst
hat vor Strafe in der Schule.
Zweimal Tränen also und beide Male
des Lernens wegen. Überlegen Sie sich die Verschiedenheit
der Gründe.“
aus: VLB
Bayern e.V., akzente 7/2005: Reformpädagogische Spurensuche,
Berthold Otto und die Hauslehrerschule
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