Man stelle sich das heutzutage einmal
vor: Da weigert sich ein Familienvater, seine fünf
Kinder in die Schule zu schicken. Dabei ist der
Mann durchaus kein "Chaot". Er gehört
auch nicht einer bildungsfernen Schicht an, die
ihre Kinder lieber zum Geldverdienen schickt als
in die Schule. Nein, er stammt aus dem Bürgertum
und ist sich über die Bedeutung einer ordentlichen
Schulbildung vollständig im Klaren. Aber er
möchte nicht, dass seine Kinder in die allgemeine
„Zwangs- und Strafschule“ gehen. Und
er kommt tatsächlich durch mit seinem Anliegen.
Das 19.Jahrhundert neigt sich dem
Ende zu. Bei dem widerspenstigen Bürger handelt
es sich um Berthold Otto. Er und seine "Hauslehrerschule"
zählen zu den bemerkenswertesten Erscheinungen
der reformpädagogischen Bewegung in der Zeit
vor dem ersten Weltkrieg.
aus: VLB
Bayern e.V., akzente 7/2005: Reformpädagogische
Spurensuche, Berthold Otto und die Hauslehrerschule